3 Texte, die der Nikolaus bei seinen Besuchen vorlesen kann und eine Geschichte, wie der Knecht Ruprecht zum Heiligen Nikolaus kam:

Nikolaustext I für Kinder 

© Thomas Luft

Recht guten Abend liebe Leut,

jedes Jahr um diese Zeit,

wenn ´s draußen stürmt und dicke Flocken schneit,

dann ist das Christkind nimmer weit.

Doch nach altem Brauch und Sitte,

tritt vorher Sankt Nikolaus in eure Mitte.

Und so sind wir auch heuer in diesem Haus,

Knecht Ruprecht und Sankt Nikolaus.

Im Schlitten durch verschneite Wälder,

durch Eis und Schnee und über Felder,

so sieht man uns jetzt durch die Lande ziehen,

dick eingepackt und unter großen Mühen.

Doch kein Weg ist zu beschwerlich,

keine Strecke zu gefährlich,

nur um zu sehen wie erging ´s den Mädchen und Buben,

in dieser Stadt, in diesen Stuben.

Manch einem steht die Angst geschrieben ins Gesicht,

doch fürchten Kinder , braucht ihr euch nicht.

Höchstens wer ganz frech und böse war,

im vergangen letzten Jahr.

Für die hat Knecht Ruprecht mit Bedacht,

auch seine Rute mitgebracht.

Doch sind solche Kinder wohl nicht hier,

oder, Kinder, was meint ihr ?

In diesem Buche hier ist es notiert,

was im letzten Jahr ist so passiert.

Und so werde ich ´s nun verlesen,

was so alles ist gewesen.

Gabenverteilung

So Knecht Ruprecht, ich glaub ich hab genug gesprochen,

und nun wird dann auch das Buch geschlossen.

Und jetzt schau mal in den Sack hinein,

was du für die Kinder hast dabei.

Schluß

Ja liebe Kinder, liebe Leute,

das war ´s schon wieder fast für heute.

Und denkt an euere Versprechen,

ich hoffe nächstes Jahr sind sie noch nicht vergessen.

Und wer schön brav ist die ganze Zeit,

für den hält auch das Christkind ein Geschenk bereit.

So denkt daran g´rad in diesen Tagen,

wo wir es nicht mehr weit bis Weihnachten haben.

Nun, gerne bliebe ich noch etwas hier,

aber weiter muß ich, glaubt es mir.

Plätzchen und Tee, das wär schon fein,

anstatt in die kalte Nacht hinein.

Trotzdem muß ich leider wieder fort,

viele Kinder noch warten an anderem Ort.

Also bleibt schön brav, ich muß jetzt geh´n.

Bis nächstes Jahr auf wiederseh´n.

 

Nikolaustext für Kinder II

© Thomas Luft

Recht guten Abend liebe Kinder, liebe Leut,

zu euch gekommen bin ich heut,

zu sehen wie ´s euch erging im letzten Jahr

und ob ein jeder brav auch war.

Ja liebe Kinder wißt ihr, wer hier ist in eurem Haus ?

...Richtig Knecht Ruprecht und Sankt Nikolaus.

Und wißt ihr auch wo ich hergekommen bin ?

Wartet nur ich werd ´s euch gleich erzählen.

Wenn der Himmel feurig glüht,

so wie abends man ihn manchmal sieht,

dann schüren die Englein den Ofen an,

damit ein jedes Englein backen kann.

Die Weihnachtszeit ist nun nimmer weit,

und ich mach mich für den weiten Weg bereit,

und so führt mich auch nun meine Reise

in dieses Haus, in euren Kreise.

Durch Wind und Wetter auf meinem großen Schlitten

so kam ich durch das Wolkenmeer geritten.

Fuhr langsam dann zur Erde nieder,

und hier bin ich also wieder.

Kurz zuvor fuhr ich noch durch den finstren Wald,

und da machte ich wie immer Halt.

Hier wartete auch schon mein treuer Knecht,

denn ohne den da geht ´s halt schlecht.

Nein, nein der Knecht Ruprecht ist kein böser Mann,

den brauch ich nur, weil ich nicht so schwer tragen kann.

Höchstens wer allzu oft verschmähte nun das Gute,

den läßt er spüren seine Rute.

Doch hab ich bei euch da kaum Bedenken,

und sicher kann ich euch was schenken,

nur vorher muss ich schon mal seh´n

was über ´s Jahr hier ist gescheh´n.

Dazu hab ich meine Englein wieder,

die schreiben alles hier drin nieder.

Ein schönes goldenes Buch, nicht wahr ?

Nun was ist denn so geschehen im vergang´nen Jahr ?

Gabenverteilung:

Nun so schlimm ist das nicht gewesen,

was ich da habe so gelesen.

Auch hat dieses Buch sicher nicht gelogen,

und das Gute, das hat nun überwogen.

Also Kinder, alles halb so schlecht,

oder was meinst mein treuer Knecht ?

Ich denk auch da muss eine Belohnung her,

dann trägst du auch nicht mehr so schwer.

Schön dass es auch noch brave Kinder gibt,

nicht nur solche über die man sonst so liest.

Und d´rum sieh mal in den Sack hinein,

was du für die Kinder hast dabei.

Schluß:

Nun Knecht Ruprecht stell dich ein,

wir müssen wieder in die kalte Nacht hinein.

Geh voran mit deinem Licht,

denn stolpern will ich wahrlich nicht.

Ja liebe Kinder, liebe Leute bleibt schon brav

ich hoffe, dass nächstes Jahr dann keiner vergaß,

was versprochen er mir heute,

als Zeugen gibt ´s da mehrere Leute.

Nun aber wünsche ich euch auf wiedersehen,

ich würd mich freu´n, wenn wir uns wiedersehn,

und fröhliche Weihnachten euch allen in diesem Haus,

von Knecht Ruprecht und Sankt Nikolaus.

 

 

Nikolaustext für Kinder III

© Thomas Luft

Einen recht guten Abend, allen in diesem Haus,

wünschen euch Knecht Ruprecht und Sankt Nikolaus.

Ja, so schnell vergeht ein ganzes Jahr,

mir ist´s als ob erst gestern Weihnachten war.

Aber schon wieder seit geraumer Zeit,

macht sich jeder für dieses Fest bereit.

Und es ist schon interessant zu seh´n,

wie verschieden das kann geh´n.

In den Städten fängt es zu funkeln an,

viele Glitzerlichter an Häusern sieht man dann.

Auf den belebten Straßen, Plätzen und Wegen,

sieht man Leute den Schnee wegfegen.

Weihnachtliche Musik liegt in der Luft,

zuhause riecht man Plätzchen Duft.

Eisiger Wind pfeift durch die Nacht,

im Ofen brennt es, dass es kracht.

Viel geschäftiges Treiben sieht man nun,

ein jeder hat ganz viel zu tun.

Und manch einer dabei leider vergißt,

was Weihnachten eigentlich wirklich ist:

Das Fest der Geburt von Jesus Christ,

der zu uns Menschen gekommen ist.

Um Frieden zu bringen in unsere Welt,

auch heute was, das sehr viel zählt.

Den Geist von Weihnachten findet man zwar auch allein,

aber besser noch im besinnlichen Beisammensein.

So rat ich euch, nutzt diese Zeit

und macht euch für das Weihnachtsfest bereit.

Aber brav soll man nicht nur zu Weihnachten sein,

auch deshalb schau ich heute bei euch herein.

Und so werd ich jetzt mal sehen,

was über ´s Jahr so ist geschehen.

In diesem goldenen Buch steht es geschrieben,

was über ´s Jahr ihr habt getrieben.

Wird nun das Gute auch das Böse überwiegen?

Oder wird wohl gar das Böse siegen?

Nun Angst braucht ihr nicht zu haben,

sogleich werd ich das Buch befragen.

__________(Name der Stadt)..., Seite sieben ...,

nun, was steht denn hier geschrien ?

Indiviueller Text

Gabenverteilung

So ich glaub ich hab genug gesprochen.

Und nun wird auch dieses Buch geschlossen.

Im Großen und Ganzen kann man hier zufrieden sein,

brave Kinder in diesem Haus, wie ich mein.

Und da hier überwog das Gute,

so braucht Knecht Ruprecht keine Rute.

Nein, nein Knecht Ruprecht pack die Gaben aus,

für die braven Kinder hier in diesem Haus.

Schluß

Gerne blieb ich noch etwas hier,

ein paar Lieder singen könnten wir.

Plätzchen und ein heißer Tee,

anstatt hinaus in Eis und Schnee.

Es hilft nichts, weiter muss ich ziehn,

und noch zu anderen Kindern sehn.

Ein friedvolles Fest euch allen in diesem Haus

wünschen euch Knecht Ruprecht und Sankt Nikolaus.

In diesem Sinn gehabt euch wohl wir müssen geh´n,

bis nächstes Jahr auf wiedersehn.

 

Knecht Ruprecht

© Thomas Luft 2001

Jeder weiß, dass der Knecht Ruprecht der Begleiter des Heiligen Nikolaus ist. Und jedes Jahr sieht man die beiden durch den tiefen Schnee stapfen, wie sie von Dorf zu Dorf ziehen um die vielen Kinder zu besuchen, die jedes Jahr schon ungeduldig auf sie warten. 

Der Knecht Ruprecht trägt dabei meistens den schweren Sack, lenkt den Schlitten und leuchtet dem Nikolaus mit seiner Laterne. Doch wer der Knecht Ruprecht wirklich ist, das wissen die wenigsten und das will ich  hier erzählen.

Die Geschichte begab sich vor vielen, vielen Jahren. Es war tiefster Winter. Schon seit vielen Wochen stürmte und schneite es und es schien kein Ende nehmen zu wollen. Zu Fuß war auf den Straßen kein Durchkommen mehr. Sogar die Schlitten blieben immer wieder stecken in den mächtigen Schneewehen und musste von anderen Fuhrwerken herausgezogen werden.

Über der kleinen Stadt am Rande des großen Waldes lag eine dichte Schneedecke. Aus den Kaminen stieg dicker, weißer Rauch und die Menschen eilten mit eingezogenem Kopf, fröstelnd durch die Gassen ihrer Stadt. Es war der Morgen des 4. Dezembers. Und es war Markttag. Die Menschen der umliegenden Dörfer und einsamen Weiler waren unterwegs in die Stadt. Sie wollten ihr Brot, Käse, Reisigbesen oder was sie sonst hergestellt hatten auf dem Markt verkaufen. Es war ein beschwerlicher Weg und viele mussten durch den finsteren Wald um ihr Ziel zu erreichen. Das war bei dem hohen Schnee wahrlich kein leichtes Vorhaben. Auch der Köhler Ruprecht war unterwegs zum Markt. Sein Schlitten war voll beladen mit Holzkohle, die er in der Stadt verkaufen wollte. Er hatte schon lange keine Reise mehr in die ferne Stadt unternommen und seine Vorräte waren schon beträchtlich zusammengeschrumpft. Er musste alles verkaufen, denn der Winter schien noch sehr lange zu dauern und er brauchte dringend neue Lebensmittel. Und vor dem Frühling würde er wohl auch nicht mehr in die Stadt kommen.

 Den Schlitten zog sein alter Esel, den er von seinem Vater vererbt bekommen hatte. Der eisige Wind peitschte ihm ins Gesicht und fühlte sich an wie tausend glühender Nadeln. Dabei war Ruprecht einiges an Kälte und Schnee gewohnt, denn auf seinem einsamen Kohlenmeiler war es oft richtig kalt. Dies war auch der Grund, weshalb er seinen langen, braunen Vollbart kaum stutzte und auch seine Haare hatte er schon lange nicht mehr geschnitten. In dichten, dunkelbraunen Locken hingen sie ihm ins Gesicht. Dies vermochte zwar etwas gegen die grimmige Kälte zu schützen, doch wer ihn nicht kannte, der bekam wirklich Angst vor ihm. Aber dazu bestand überhaupt kein Anlass.

 Ruprecht war ein sehr wortkarger und zurückhaltender Mann und wirkte daher oft abweisend und unfreundlich auf seine Mitmenschen. Dies lag aber mehr daran, dass er die meiste Zeit des Jahres alleine zubrachte. Einsam wohnte und arbeitete er vielleicht 30 Km von der Stadt entfernt tief drin im Wald. Hier auf einer lichten Anhöhe hatte er sich damals eine Hütte gebaut.

 Sein Vater war ein reicher Bauer in einer fernen Stadt. Aber Ruprecht war der jüngste von vier Söhnen. Sein ältester Bruder bekam den Bauernhof und die anderen drei Brüder wurden ausbezahlt. Oft musste er sich an den Satz erinnern, den er in der Schule von seinem Lehrer gehört hatte. “Keins von euch weiß, wo ´s der Wind einmal hin weht. Einer kriegt den Hof und die anderen müssen gehen.” Damals war ihm nicht recht bewusst, was das bedeutet. Erst an dem Tag, da er die Stätte seiner Jugend und seine Heimat verlassen musste fiel ihm der Satz seines Lehrers wieder ein. Und seit dem dachte er oft daran. Auch daran wie es war, als er damals mit nichts als nur einer Kutsche, einem alten Esel und ein paar Goldtaler hinauszog in die weite, weite Welt. Und fern von zuhause, irgendwo in der Fremde kaufte er sich ein Stück Wald. “Hierher hat mich der Wind also hin geweht”, dachte er damals. Dann erinnerte er sich voll Wehmut an seine Jugend, an längst vergangene Tage. Und voll Sorge blickte er in die Zukunft, was sie für ihn wohl bereit halten würde. Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre voll Ungewissheit lagen vor ihm. Doch sein Schicksal hielt längst schon einen Plan für ihn bereit. Er brauchte keine Angst zu haben, aber dies sollte sich erst in einigen Jahren zeigen.

 Er baute sich eine Köhlerhütte und von da an arbeitete er als Köhler. Er fällte Bäume, schichtete sie auf. Dann bedeckte er den Holzstoß mit Erde, so dass nur ein schmaler Kamin offen blieb. Wenn er dann das Holz anzündete kokelte es mehrere Tage vor sich hin bis schließlich nur noch Holzkohle übrig blieb. Das war sein Leben, seine Arbeit, jahrein, jahraus. Und wer so lebt, der kann mitunter schon wunderlich werden und auf seine Mitmenschen ein schrägen Eindruck machen. Aber im Grunde seines Herzens war Ruprecht ein großzügiger, hilfsbereiter und gütiger Mensch. Dies war er schon sein ganzes Leben lang und vielleicht sind diese Anlagen in den letzten Jahren etwas verschüttet worden, trotzdem brauchte man keine Angst vor ihm haben.

Er stellte sich mit seinem Schlitten an das untere Ende des Marktplatzes und begann seine Kohlen zu verkaufen. Das Geschäft ging gut, denn die vergangenen Wochen war es so bitterkalt geworden, dass nur Holz allein zum Heizen nicht mehr ausreichte. So konnte er in wenigen Stunden fast alles verkaufen. Es war jetzt schon nachmittag geworden und er hatte nur noch wenig Kohlen. Da kam der reichste Kaufmann der Stadt vorbei. “So Ruprecht hast noch Kohlen?”, wollte er wissen. Ruprecht nickte. Er schaufelte seine letzten Kohlen in einen großen, braunen Sack.. Doch als er sie dem Kaufmann geben wollte, erblickte er aus seinen Augenwinkeln, wie ein kleines Mädchen mit seiner Mutter frierend an der Ecke eines Hauses gegenüber von ihm stand. Sie verkauften selbstgebastelte Strohsterne. Und anscheinend ging das Geschäft sehr schlecht, da ihr ganzer Tisch noch ziemlich voll war mit ihrer Ware. “Wer sind die?”, fragte Ruprecht den Kaufmann und deutete auf die Frau und ihre kleine Tochter.

 “Ach die. Die wohnen im Armenhaus. Sie verkaufen Strohsterne. Was für ein Unfug. Die sollten lieber was Anständiges arbeiten, das Pack. Dann würden sie auch nicht erfrieren.”

“Warum erfrieren?”, Ruprecht blickte den Mann fragend an.

“Ach vor zwei Wochen ist von denen eins  erfroren. Auch gut; ein nutzloser Fresser weniger. Hätten sie was gearbeitet wäre ihnen schon warm geworden. Jeder muss arbeiten, ich kann auch nicht den ganzen Tag faulenzen. Und jetzt gib mir schon endlich meine Kohlen!”

Als Ruprecht das hörte, wurde ihm ganz heiß. Er spürte eine unbändige Wut in ihm aufsteigen, die ihm die Kehle zuschnürte. Er schluckte. Und mit bebender Stimme brüllte er den Kaufmann an: “Kauf deine Kohlen wo anders. DU sollst erfrieren an deinem kalten Herzen. Du bist nicht mal den Schnee unter deinen Füßen wert. Verschwinde! Geh mir aus den Augen!”

 “Was fällt dir denn ein du unverschämter Kerl. Du weißt wohl nicht was du da sagst. Die Leute haben schon recht wenn sie sagen, du bist nicht ganz richtig im Kopf. Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder hier etwas verkaufen kannst. Und kaufen wirst du in unserem Dorf auch nie wieder etwas können. Dafür werde ich sorgen.”

Ruprecht hörte gar nicht mehr hin was der Kaufmann sagte. Es war ihm in diesem Moment auch egal. Mit seinen große Händen packte er den Sack Kohlen und warf ihn auf seine Schultern. Im Vorbeigehen stieß der den Kaufmann zur Seite, so dass dieser fast zu Boden fiel. Der Kaufmann war nur ein kleiner, schmächtiger Mann mit einem verbissenen, furchigen Gesicht. Ruprecht aber war ein stattlicher Mann von 1,90 Meter mit kräftiger Statur. Mit gewaltigen Schritten ging er auf  die arme Frau zu. Seine braunen Haare wehten im Wind und sein langer Fellmantel flatterte um die Beine. Der Schnee staubte unter seinen Füßen und als ihn so das kleine Mädchen auf sich und seine Mutter zustürmen sah, bekam sie Angst und versteckte sich hinter der Schürze ihrer Mutter. Auch die Frau blickte ganz erschrocken auf Ruprecht, denn sie hatte ihn schon von fern gehört, wie er den Kaufmann anbrüllte. Mit einem gewaltigen Schwung warf er den Sack Kohlen auf den Boden. Dann lächelte er die Frau an und sagte: “Haben Sie Strohsterne? Ich brauche dringend welche für Weihnachten für meinen Christbaum.”

 “2 Pfennig das Stück. Wie viele dürfen es denn sein?”, fragte die Frau verwirrt. “Ich nehme alle.”, antwortete Ruprecht. “Ich hab aber kein Geld bei mir. Kann ich auch mit diesem Sack Kohlen zahlen?” “Ja sicher, aber so viel Sterne hab ich ja gar nicht.”

“Schon gut,”, sagte er, “das sind besonders schöne Sterne. Und frohe Weihnachten. Auch dir frohe Weihnachten.” Und als er das sagte gab er dem Mädchen einen Apfel, den er noch in seinem Mantel hatte. Das Kind lächelte ihn an und blicke erleichtert und fragend zu seiner Mutter. Ruprecht aber drehte sich mit einem großen Schwung um und ging zu seinem Schlitten. Dort standen schon ein Menge Leute und schimpften auf ihn. Allen voran der Kaufmann: “Verschwinde aus unserem Dorf. Lass dich nie wieder bei uns sehen!” Als der Kaufmann das gesagt hatte, blickte Ruprecht ihn von oben mit zusammengezogen Augenbrauen an und brummte irgendetwas mit seiner tiefen Stimme. Erschrocken hüpfte der Kaufmann einen Schritt zurück, drehte sich zu den anderen Leuten um und sagte: “ Jetzt sagt doch auch mal was. Der Kerl hat hier nichts mehr verloren." “Jawohl, der soll verschwinden!”

So zog Ruprecht mit seinem Schlitten aus der Stadt. Sein Magen knurrte. Auch hatte er noch keine Vorräte gekauft. Er war bedrückt, aber andererseits auch froh, da er spürte, dass er das Richtige getan hatte. Niedergeschlagen und erschöpft kehrte er zu seiner Köhlerhütte zurück. Es war schon sehr finster geworden und als erstes machte er Licht und schürte seinen Ofen an. Er hatte ein sehr unangenehmes Gefühl im Magen und das lag nicht nur daran, dass er schon länger nichts mehr gegessen hatte. Und als er so da saß, klopfte es an der Tür. Verwundert, über den späten Besuch öffnete er die Tür. Da stand ein älterer Herr mit einem Wanderstab in der Hand.

"Grüß Gott, Ruprecht!”

“Grüß Gott. Woher wissen Sie wer ich bin und was wollen Sie von mir?”

“Ich will dich fragen ob du nicht mit mir kommen willst. Ich brauche einen Knecht, für meine Schlitten, und meine Tiere.”

Der alte Herr hatte lange lockige Haare und einen langen weißen Bart. Knecht Ruprecht blickte ihm in seine freundlichen Augen.

“Wer sind Sie? Und warum ausgerechnet ich?”

Der alte Mann sah ihn freundlich an und antwortete: “ Du hast ein gutes Herz. Du bist freundlich zu deinen Mitmenschen und du hilfst den Armen und Schwachen, auch wenn es für Dich Nachteile haben könnte. Du bist großzügig und bist ehrlich. So was findet man nicht alle Tage, glaub mir. Und ich komme viel herum in der Welt. Deshalb möchte ich, dass du mit mir kommst.” Ruprecht lächelte, er nickte: “Ja, aber wer sind Sie?”

“Du kennst mich schon. Früher habe ich auch dich besucht. Ich kenne dich schon dein ganzes Leben lang. Nur irgendwann hast du aufgehört an mich zu glauben. Aber ich bin es, der Heilige Bischof Nikolaus von Myra. Und jetzt komm, wir haben viel zu tun.”

Und seit dieser Zeit ist der Knecht Ruprecht der treue Begleiter des Heiligen Nikolaus. Das hat natürlich die Leute in der Stadt sehr geärgert und einige haben immer wieder den Kindern erzählt, dass er böse ist und Kinder schlägt oder sie entführt. Dass das nicht stimmt, weiß jeder, der diese Geschichte gelesen hat. Nur wer ungerecht ist und böse gegen seine Mitmenschen, der sollte sich vor dem Knecht Ruprecht sehr in Acht nehmen. Das kann er nämlich um alles in der Welt nicht ertragen. So kam der Knecht Ruprecht zum Heiligen Nikolaus. Und noch heute sind die beiden gemeinsam unterwegs, wenn sie in der Vorweihnachtszeit die Kinder besuchen. 

nikolaus@derheiligenikolaus.de